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Bauanleitung für den Regenwurmwanderkasten: Kompostierung mit Regenwürmern im Garten

Regenwurmwanderkasten im Garten
© Stephan Grote

Heinz Erven, der berühmte Biogärtner, hat sich in seinem „Paradies“ in den 60er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts ein System für die Kompostierung von Küchen- und Gartenabfällen mit Regenwürmern ausgedacht. Dieses System möchte ich an dieser Stelle anhand einer einfachen Bauanleitung vorstellen. Es handelt sich um einen Regenwurm-Wanderkasten, der aus Materialien gebaut wird, die oft in einem Kleingarten verfügbar oder leicht zu beschaffen sind. Wie alles auf einer Kleingartenparzelle sollte auch diese Einrichtung schnell abbaubar sein – Beton ist also tabu!

Der Aufbau

Im Lehr- und Lerngarten des Landesverbandes wurde im Winter 2024/2025 ein Vorbild für den Regenwurmwanderkasten gebaut. Einige Baumaterialien waren bereits vorhanden: Betonplatten in den Größen 40 × 40 × 5 cm und 40 × 60 × 5 cm, die als Grundlage für die Planung des Wanderkastens dienten. Falls Platten in der Größe 50 × 50 × 5 cm zur Verfügung stehen, ist das sogar noch besser, da der Wanderkasten dann tiefer im Boden liegt, mehr Raum bietet und besser vor Frost geschützt ist.

  • Ca. 130 breit, ca. 120 lang
  • 9 × 40 × 60 Platten
  • 6 × 40 × 40 Platten
  • Einbautiefe insgesamt 35 cm, Überstand von 5 cm über Boden
  • Die Bodenplatten ca. 5 cm höher also ca. 30 cm Luftraum
  • Holzbrett (Gerüstbohle) zur Trennung mit Löchern
  • Engmaschiger Kaninchendraht unter den Platten
  • 2 Holzabdeckungen jeweils ca. 70 × 120
  • Ggf. Schalholz als innere Rahmen

Der Wanderkasten soll am Ende ca. 130 cm lang und 120 cm breit sein. Zunächst wird der Boden an den Rändern etwa 35 cm tief ausgehoben, und die Platten für die Wände werden aufgestellt. Dadurch ragt der Wanderkasten etwa 5 cm über das Bodenniveau hinaus. Die ausgehobene Erde kann beispielsweise für ein kleines Hochbeet verwendet werden. Nach dem vollständigen Auskoffern des Bodens werden die Bodenplatten so verlegt, dass sie die Standfestigkeit der Randplatten stabilisieren.

Engmaschiger Draht als Bodenschutz
© Stephan Grote

Um die Randplatten zu stützen, ist es notwendig, die Bodenplatten auf eine Höhe von 35 cm anzuheben. Anschließend bleibt ein Luftraum von 30 cm zwischen den Bodenplatten und dem Plattenrand. Die Platten sollten fugenversetzt verlegt werden, um die Stabilität zu erhöhen. Zur weiteren Stabilisierung kann ein innerer Rahmen aus Schalholz aufgebaut werden. Zentral werden kleine Flächen für den Wasserablauf freigelassen, die mit engmaschigem Kaninchendraht gegen Wühlmäuse und Maulwürfe gesichert werden. Zwei Kammern werden mittig durch eine verschiebbare Gerüstbohle getrennt, die mit vielen 8- oder 10-mm-Löchern versehen ist, durch die die Regenwürmer bei Bedarf die Kammer wechseln können.

Fast fertig.
© Stephan Grote

Im Gegensatz zum Vorbild von Heinz Erven bevorzuge ich ein geschlossenes Abdecksystem. Der Wanderkasten wird mit zwei jeweils 70 × 120 cm großen Holzabdeckungen verschlossen. Regenwürmer mögen es dunkel, und zusätzliches Wasser durch Regen wird nicht benötigt. Viele weitere Verbesserungen sind denkbar. Wichtig ist es, den Kasten möglichst undurchdringlich zu bauen, damit Igel und Rotkehlchen keinen gedeckten Tisch voller Regenwürmer und Asseln vorfinden.

Fertig gebauter Regenwurmwanderkasten.
© Stephan Grote

Die Nutzung

Eine der beiden Kammern wird mit kleingeschnittenen Gemüseabfällen gefüllt. Besonders förderlich für Regenwürmer sind zerkleinerte, unverarbeitete organische Küchenabfälle (Obst- und Gemüseabfälle), Kaffeesatz und Obsttrester. Zusätzlich sollte Algenkalk als Milieuverbesserer beigegeben werden, besonders bei einem hohen Anteil saurer Abfälle wie Kaffeesatz. Weitere Zusätze sind Tonmehl (Bentonit) und Urgesteinsmehl. In kleinen Mengen hilft normaler Spielsand den Würmern bei der Verdauung. Überschüssiges Wasser kann durch die Zugabe von Kartonpappe oder Kokosfasern aufgenommen werden. Die Fasern fördern außerdem die Qualität und Stabilität des fertigen Wurmhumus.

So etwas mögen Sie gerne.
© Stephan Grote

Die Hauptwurmarten für einen Regenwurmkompost sind Streuschichtwürmer, insbesondere Eisenia foetida. Da keine Zuwanderung der Würmer zu erwarten ist, müssen diese in der Regel zugekauft werden. Regenwürmer lieben Feuchtigkeit, jedoch keine Nässe, und meiden Sonnenlicht. Die optimale Temperatur liegt bei 15–25 °C. Im Winter sollten die Tiere vor Frost geschützt werden, indem die Kammern zusätzlich mit Pappe abgedeckt werden.

Regenwürmer bei der Arbeit.
© Stephan Grote

Sobald die erste Kammer voll ist, wird die zweite Kammer befüllt. Haben die Regenwürmer die erste Kammer vollständig verlassen, kann der fertige Kompost entnommen, getrocknet und gemahlen bzw. zerkleinert werden. Der Wurmhumus enthält mehr positiv wirkende Mikroorganismen und mehr Nährstoffe als herkömmlicher Kompost. Er eignet sich hervorragend als Dünger für Zimmer- und Gartenpflanzen.

Älterer Regenwurm-Wanderkasten mit einer festen Trennmauer aus Poroton-Ziegel in der Mitte – Seit 5 Jahren im Gebrauch.
© Stephan Grote

Autor:

Stephan Grote

Hauptamtlicher Fachberater

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